Dienstag, 17. Februar 2009

Vodka, Wodka und das kleine Wässerchen

Wir haben 100 Leute gefragt "Nennen Sie eine Spirituose".

Mit etwas Glück würde bei dieser Frage von Familienduell wenigstens einer nicht Vodka sagen. Der allgemeine Trend geht zur Geschmacksneutralität. Dies gilt nicht nur für Vodka. Menschen kaufen sich für 20€ ein Wasser, weil es rein, klar, mild und sanft ist. Sie kaufen Vodka, weil er x-fach gefiltert wird, möglichst frei von irgendwelchen Geschmacksstoffen ist und vor allem weil er die Wirkung von Alkohol erzielt ohne dabei einen üblen Geschmack im Mund hervorzurufen.

Spirituosen werden nicht mehr nach den Kriterien würzig, kräftig, starkes Aroma von (...) gekauft, sondern nach dem exakten Gegenteil. Meiner Meinung nach liegt der Grund hierfür beim Vodka. Vodka ist bei vielen Jugendlichen ein Einstiegsgetränk zum hochprozentigen Alkoholkonsum. Doch in den 5€ Versionen, die nach ehemaligen russischen Politikern benannt wurden, schmeckt der Konsument vor allem eins, scharfen Alkohol. Nicht nur, dass es sein erster Kontakt mit Hochprozentigem ist, es ist auch noch gleich einer von der Sorte bei der man am nächsten Tag sagt "Nie wieder Alkohol".

Die logische Schlußfolgerung ist natürlich, wenn eine klare Spirituose, die so rein wie Vodka ist so schmeckt und solch einen Kater verursacht, wie mögen dann erst goldene Spirituosen schmecken, bei denen nicht auf der Flasche steht wie oft sie gefiltert wurden. Weshalb sich auch der Volksglaube nach dem stärkeren Wirken von farbigen Spirituosen hält.

Dann vergleichen wir noch den Preis von Vodka mit anderen Spirituosen. Wenn ich einen mittelmäßigen Vodka will, muss ich ca 10€ bezahlen. Für eine andere Spirituose wird in dieser Preisklasse die Luft schon ziemlich eng, weshalb viele ihren Ausflug zu anderen Spirituosen bereuen. Wer hat nicht schonmal das Gefühl gehabt als hätte ein Mexikaner mit einem roten Hut die Flasche einfach auf dem eigenen Kopf zerschlagen oder man hätte statt Caipirinha tatsächlich eine lebendige Garnele auf der Zunge.

Als ob dies noch nicht genug wäre, hat sich Vodka längst im Kreis der Prominenten etabliert. Während früher regelmäßig Kinderbücher von Prominenten veröffentlicht wurden scheinen nun neue Vodkamarken voll im Trend zu liegen. Von Trump bis Cavalli, von B-Promis bis zu den Superreichen, auf Partys steht neben der obligatorischen Champagner Flasche neuerdings auch immer eine Vodka Flasche.

Das Image das sich Vodka Marken aufgebaut haben ist unübertroffen. Kein schottischer Single Malt kann mit Werbung von Andy Warhol mithalten und ich habe ebenfalls noch nie eine Werbung gesehen in der Leute feiern und dabei eine Flasche Absinth in der Hand halten.

Ich möchte einfach Leute motivieren ihren Horizont zu erweitern. Und mag es auch nur 1 sein, der bei seinem nächsten Barbesuch statt einem Vodka-RedBull einen Whiskey Sour bestellt, damit wäre allen schon sehr geholfen.

Schließlich isst man ja auch nicht den ganzen Tag Hühnchen mit Reis, nur weil es schmeckt und seinen Zweck erfüllt satt zu machen.

Und für alle, die dies bereits wussten, sei gesagt, der nächste Beitrag wird keine Moralpredigt, sondern ein Beitrag, der dem Blogtitel gerecht wird, nämlich mit gutem Geschmack.

So on,
Bon-Vivant's Companion

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