Samstag, 21. Februar 2009

Spätzünder oder Selbstzerstörer?

Auf Grund einer aktuellen Diskussionen (Cocktails & Dreams Forum) und einiger anderer Beiträge und Gedanken, die mich in letzter Zeit nachdenklich gemacht haben, möchte ich heute ein, für mich, spannendes Thema anschneiden.

Die Bar- und Cocktailszene hat in den letzten Jahren wahrlich große Sprünge gemacht. Vor allem die Aufarbeitung der Vergangenheit spielt hier eine große Rolle. Doch die Fragen die mich interessieren sind, wo stehen wir und wo möchten wir hin?

Ohne zu sehr ins theoretische zu gehen, möchte ich kurz ein kleines Beispiel in der Betriebswirtschaft erzählen, dass hier sehr gut passt. Wenn man sich verschiedene Technologien und Techniken der letzten Jahr anschaut und diese auf einem Graphen einträgt, mit dem Faktor Zeit auf der x-Achse und dem Faktor Entwicklunsgrad auf der y-Achse, so wird man feststellen, dass jede Technologie ein exponentielles Wachstum hab und in wenigen Jahren Ihren maximalen Entwicklungsgrad erreicht, dann kurze Zeit auf dem Maximum verharrt und dann noch schneller endet, als es angefangen hat. Die Dampfmaschine, Manufakturen, Kernenergie, um nur einige Dinge zu nennen sind alles Technologien die ihren Zenit überschritten haben oder gerade dabei sind ihn zu erreichen. Wenn eine Technologie Ära endet, beginnt eine Neue. Dieses Beispiel ist auf viele Bereiche des Lebens zu übertragen, sei es Interessen der Menschen, die sich verändern oder auch die Barszene die sich verändert.

Und genau hier möchte ich einsetzen. Wie ist die Barszene auf solch einem Graphen zu sehen?

Seit dem ersten Cocktail zur heutigen Zeit hat nicht nur die Industrie ihren Teil dazu beigetragen die Qualität zu verbessern, auch Bartender haben sich entwickelt, die Barszene ist gewachsen. Doch für mich scheint es, als wäre sie nur in die Breite gewachsen. Wo man hinschaut schießen neue Bars aus dem Boden oder alte Bars werden grundsaniert. Hierbei wird viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt, doch keiner sieht das wirkliche Herz einer Bar. Die Art wie sie arbeitet. Ich möchte behaupten, dass in 90% aller Bars (nur als Beispiel) für einen Martini und einen Manhatten süßer italienischer Vermouth, statt französischem verwendet wird und dies nicht aus Gründen der Individualität, sondern einfach aus Unwissenheit heraus.

Noch dazu kommt, dass auch die Gäste garnicht an Drinks wie einem Martini oder einem Manhattan interessiert sind. Die Gäste wollen meist viel Saft und irgendeine Spirituose, die in der Regel sowieso untergeht, bei soviel Saft, Sirup und Sahne.

Sind nun die Gäste Schuld, weil sie unwissend sind oder
ist die Bar Schuld, weil sie keinen anderen Weg weist?

Eine dritte Möglichkeit wäre der Alkohol. Viele Menschen trinken nicht, weil sie den komplexen Geschmack eines Sazarec lieben, sondern weil der Alkohol eine legale Droge ist. Der Alkohol lässt einen Dinge tun, die man sonst nie tun würde, er lässt Dinge in Vergessenheit geraten und er bietet eine Zuflucht vor der Realität.

Vielleicht ist die Bar aber auch auf dem beste Wege zu dem, was ich mir wünsche und es braucht ganz einfach mehr Zeit. Abschließen möchte ich mit einem sinngemäßem Zitat, dass mir vor kurzer Zeit ein Freund erzählt hat:

"Woher sollen wir wissen was neu ist, wenn wir nicht wissen was alt ist?"

Auf die Zukunft,
Bon-Vivant's Companion

1 Kommentar:

  1. Trends kommen und gehen...
    Qualitaet dagegen bleibt!
    Wie weit sind wir denn wirklich mit der Verbreitung von Cocktails und deren Genuss?
    Wir stehen gerade am Anfang,
    der deutsche Standardtrinker sucht doch immer noch lieber sein Bier zum Feierabend. Der Cocktail wird immer noch als so ein kleines Highlight gesehen, auch wenn er das in den grossen Massenbetrieben von der Qualitaet nur eher selten ist. Entwicklungspotential sehe ich da noch viel, manchmal mehr als man noch zu erleben hofft. Wenn wir hier in unseren kleinen Foren und Kreisen manche Dinge besprechen, so sprechen wir hier doch auch nur von einer winzig kleinen Gruppe von Cocktailfans, deren Teilnehmerschaft gegenueber anderen Forengruppen (z.Bsp.PC, Fussball oder Pornographie)laecherlich gering ist. Was fuer uns heute schon als klar erkennbar gilt ist beim Rest der Republik noch nicht mal ins Blickfeld geraten.

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