Donnerstag, 26. Februar 2009

Elder Sour - der Ambrosia des 21. Jahrhunderts

Nachdem ich gestern schon für St. Germain geworben hatte und ihn als Spitzenlikör beschrieben hatte muss ich heute meine Meinung revidieren. Es gibt nur ein Wort das ich kenne für das es aber leider keine deutsche Übersetzung gibt - awesome - .

Gerade sitze ich mit meinem Laptop neben einem Elder Sour, bestehend aus folgenden Ingredientien:

5cl St. Germain
2,5cl Zitronensaft
1 Eiweiß

Die Schaumkrone, die leichte Säure, die angedeutete Süße und als Krönung, das außerordentliche Aroma der Holunderblüte. Ein Drink, den die Götter persönlich auf diese Erde gesandt haben könnten.

Wenn ihr diesen Beitrag gerade lest und noch nicht in den Genuß eines Elder Sours kamt, kann ich euch nur eins empfehlen, macht ihn!

Auf die Holunderblüte,
Bon-Vivant's Companion

St. Germain - französische Spirituosenkunst

Gestern war es endlich soweit. Nachdem ich die letzten Wochen schon viele Berichte über St. Germain gelesen hatte und bei jedem male das Verlangen größer wurde kam ich nun gestern endlich in den Genuss meiner eigenen Flasche St. Germain.

Ich habe schon viele schöne Flaschen gesehen, vor allem Vodka Produzenten sind ja für ihre Kreativität im Flaschen-Design bekannt, aber St. Germain ist wirklich etwas ganz besonderes. Die Form der Flasche, das Etikett und der durch die Flasche sichtbare Art Deco Stil auf den Innenseiten des Etiketts lassen den Käufer bereits erahnen, dass es sich hierbei um etwas ganz besonderes handelt.

Auch das kleine Booklet welches am Flaschenhals hängt ist ein kleines Kunstwerk. Mit Rezeptvorschlägen, Fotos und kleinen Anekdoten versehen gehört es auf jeden Fall nicht zu der Sorte Booklet, die man einfach wegschmeissen sollte.

Doch kommen wir zum eigentlichen Highlight, dem Inhalt der Flasche. Gleich beim ersten Öffnen versprüht die Flasche einen frischen fruchtig-blumigen Duft ohne dabei aufdringlich oder sehr süßlich zu riechen. Auf der Zunge setzt sich das fort, was die Nase bereits wusste, ein ebenfalls fruchtig-blumiger Geschmack.

Auch im Cocktail macht der St. Germain eine hervorragende Figur. Der Difford's Guide liefert gleich einen ganzen Haufen Rezepte für St. Germain. Ich entschied mich für einen St. Germargerita, bestehend aus:

4cl Arette Blanco
4cl St. Germain
3 angedrückten Limettenachteln

Der Tequila und der St. Germain harmonieren hierbei perfekt, weshalb ich bei der nächsten Zubereitung dieses Drinks die Limetten einfach weglassen werde und sie an einen armen Mexikaner geben werde, der diese für sein Bier braucht. (Dieser Spruch stammt aus dem kleinen beiliegenden Booklet und wurde sinngemäß ins Deutsche übersetzt.)

Für alle Interessierten kann ich empfehlen St. Germain auf jeden Fall in Großbritannien zu bestellen, da er dort fast nur die Hälfte kostet.

Santé,
Bon-Vivant's Companion

Montag, 23. Februar 2009

Der Lauf des Lebens

Ja, ein weiterer philosphisch angehauchter Post, der weder neue Cocktails vorstellt noch ein Review über Spirituosen enthält.

Aber auf Grund der Post die heute bei mir eintraf muss ich mir einfach mal einige Dinge von der Seele schreiben und würde mich auch über Kommentare dazu freuen.

Es ist nicht mal 1 Jahr her, als ich gerade meinen Zivildienst beendet hatte. Ich hatte mir ein finanzielles Polster angeschafft und entschied mich dazu einen 2-wöchigen Cocktailkurs im Wert von 1000€ zu absolvieren. Zum einen interessierte mich das Thema und zum anderen hielt ich es auch für eine gute Grundlage um später als Barkeeper während meines Studiums ein wenig Geld zu verdienen. Es ist nicht viel Zeit vergangen, doch es hat sich viel geändert. Meiner Universität habe ich vor zwei Monaten mitgeteilt, dass ich mein Studium bereits nach dem ersten Semester abbrechen werde. Auf einmal war also der ganze Plan, den ich mir zurechtgelegt hatte in Luft aufgegangen. Und er wurde von keinem geringeren als mir selber zerstört. Im ersten Anfall einer leichten Panik beworb ich mich an zwei anderen Universitäten für einen anderen Studiengang von dem ich hoffte, dass er mich fordern und interessieren würde. Doch eigentlicht wusste ich in diesem Moment schon, dass ich auch bei einer Zusage mein Studium nicht angetreten hätte. Nun erhielt ich heute die zweite Absage und bin, seltsamerweise, nicht verärgert über diesen eigentlichen Fehlschlag.

Bereits Ende des letzten Jahres begann ich, statt über die nahenden Prüfungen nachzudenken, zu überlegen wie es wohl währe eine eigene Bar zu besitzen oder einfach mal für ein paar Monate im Ausland zu arbeiten. Seitdem habe ich diese Gedanken immer weiter gesponnen. Ich bin in der glücklichen Lage seit dem Beginn meiner Bartenderlaufbahn vielen Leuten begegnet zu sein die mir von Ihren Erfahrungen berichten konnten. Manche mit dem erfolgreichen Konzept einer eigenen Bar, manche mit langjährigem Auslandsaufenthalt und anderen wiederum, die neu anfangen mussten, weil die eigene Bar ihnen alles genommen hat, was sie hatten.

Das Treffen der Entscheidung ist eigentlich nicht schwierig, schwierig ist es danach auch noch weiterhin zu der Entscheidung zu stehen. Und ich möchte nicht nochmal ein halbes Jahr etwas machen woran ich nach einiger Zeit das Interesse verliere. Die Entscheidung muss ich in jedem Falle, für heute, erst noch einmal, verschieben.

Bon-Vivant's Companion

Samstag, 21. Februar 2009

Spätzünder oder Selbstzerstörer?

Auf Grund einer aktuellen Diskussionen (Cocktails & Dreams Forum) und einiger anderer Beiträge und Gedanken, die mich in letzter Zeit nachdenklich gemacht haben, möchte ich heute ein, für mich, spannendes Thema anschneiden.

Die Bar- und Cocktailszene hat in den letzten Jahren wahrlich große Sprünge gemacht. Vor allem die Aufarbeitung der Vergangenheit spielt hier eine große Rolle. Doch die Fragen die mich interessieren sind, wo stehen wir und wo möchten wir hin?

Ohne zu sehr ins theoretische zu gehen, möchte ich kurz ein kleines Beispiel in der Betriebswirtschaft erzählen, dass hier sehr gut passt. Wenn man sich verschiedene Technologien und Techniken der letzten Jahr anschaut und diese auf einem Graphen einträgt, mit dem Faktor Zeit auf der x-Achse und dem Faktor Entwicklunsgrad auf der y-Achse, so wird man feststellen, dass jede Technologie ein exponentielles Wachstum hab und in wenigen Jahren Ihren maximalen Entwicklungsgrad erreicht, dann kurze Zeit auf dem Maximum verharrt und dann noch schneller endet, als es angefangen hat. Die Dampfmaschine, Manufakturen, Kernenergie, um nur einige Dinge zu nennen sind alles Technologien die ihren Zenit überschritten haben oder gerade dabei sind ihn zu erreichen. Wenn eine Technologie Ära endet, beginnt eine Neue. Dieses Beispiel ist auf viele Bereiche des Lebens zu übertragen, sei es Interessen der Menschen, die sich verändern oder auch die Barszene die sich verändert.

Und genau hier möchte ich einsetzen. Wie ist die Barszene auf solch einem Graphen zu sehen?

Seit dem ersten Cocktail zur heutigen Zeit hat nicht nur die Industrie ihren Teil dazu beigetragen die Qualität zu verbessern, auch Bartender haben sich entwickelt, die Barszene ist gewachsen. Doch für mich scheint es, als wäre sie nur in die Breite gewachsen. Wo man hinschaut schießen neue Bars aus dem Boden oder alte Bars werden grundsaniert. Hierbei wird viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt, doch keiner sieht das wirkliche Herz einer Bar. Die Art wie sie arbeitet. Ich möchte behaupten, dass in 90% aller Bars (nur als Beispiel) für einen Martini und einen Manhatten süßer italienischer Vermouth, statt französischem verwendet wird und dies nicht aus Gründen der Individualität, sondern einfach aus Unwissenheit heraus.

Noch dazu kommt, dass auch die Gäste garnicht an Drinks wie einem Martini oder einem Manhattan interessiert sind. Die Gäste wollen meist viel Saft und irgendeine Spirituose, die in der Regel sowieso untergeht, bei soviel Saft, Sirup und Sahne.

Sind nun die Gäste Schuld, weil sie unwissend sind oder
ist die Bar Schuld, weil sie keinen anderen Weg weist?

Eine dritte Möglichkeit wäre der Alkohol. Viele Menschen trinken nicht, weil sie den komplexen Geschmack eines Sazarec lieben, sondern weil der Alkohol eine legale Droge ist. Der Alkohol lässt einen Dinge tun, die man sonst nie tun würde, er lässt Dinge in Vergessenheit geraten und er bietet eine Zuflucht vor der Realität.

Vielleicht ist die Bar aber auch auf dem beste Wege zu dem, was ich mir wünsche und es braucht ganz einfach mehr Zeit. Abschließen möchte ich mit einem sinngemäßem Zitat, dass mir vor kurzer Zeit ein Freund erzählt hat:

"Woher sollen wir wissen was neu ist, wenn wir nicht wissen was alt ist?"

Auf die Zukunft,
Bon-Vivant's Companion

Dienstag, 17. Februar 2009

Vodka, Wodka und das kleine Wässerchen

Wir haben 100 Leute gefragt "Nennen Sie eine Spirituose".

Mit etwas Glück würde bei dieser Frage von Familienduell wenigstens einer nicht Vodka sagen. Der allgemeine Trend geht zur Geschmacksneutralität. Dies gilt nicht nur für Vodka. Menschen kaufen sich für 20€ ein Wasser, weil es rein, klar, mild und sanft ist. Sie kaufen Vodka, weil er x-fach gefiltert wird, möglichst frei von irgendwelchen Geschmacksstoffen ist und vor allem weil er die Wirkung von Alkohol erzielt ohne dabei einen üblen Geschmack im Mund hervorzurufen.

Spirituosen werden nicht mehr nach den Kriterien würzig, kräftig, starkes Aroma von (...) gekauft, sondern nach dem exakten Gegenteil. Meiner Meinung nach liegt der Grund hierfür beim Vodka. Vodka ist bei vielen Jugendlichen ein Einstiegsgetränk zum hochprozentigen Alkoholkonsum. Doch in den 5€ Versionen, die nach ehemaligen russischen Politikern benannt wurden, schmeckt der Konsument vor allem eins, scharfen Alkohol. Nicht nur, dass es sein erster Kontakt mit Hochprozentigem ist, es ist auch noch gleich einer von der Sorte bei der man am nächsten Tag sagt "Nie wieder Alkohol".

Die logische Schlußfolgerung ist natürlich, wenn eine klare Spirituose, die so rein wie Vodka ist so schmeckt und solch einen Kater verursacht, wie mögen dann erst goldene Spirituosen schmecken, bei denen nicht auf der Flasche steht wie oft sie gefiltert wurden. Weshalb sich auch der Volksglaube nach dem stärkeren Wirken von farbigen Spirituosen hält.

Dann vergleichen wir noch den Preis von Vodka mit anderen Spirituosen. Wenn ich einen mittelmäßigen Vodka will, muss ich ca 10€ bezahlen. Für eine andere Spirituose wird in dieser Preisklasse die Luft schon ziemlich eng, weshalb viele ihren Ausflug zu anderen Spirituosen bereuen. Wer hat nicht schonmal das Gefühl gehabt als hätte ein Mexikaner mit einem roten Hut die Flasche einfach auf dem eigenen Kopf zerschlagen oder man hätte statt Caipirinha tatsächlich eine lebendige Garnele auf der Zunge.

Als ob dies noch nicht genug wäre, hat sich Vodka längst im Kreis der Prominenten etabliert. Während früher regelmäßig Kinderbücher von Prominenten veröffentlicht wurden scheinen nun neue Vodkamarken voll im Trend zu liegen. Von Trump bis Cavalli, von B-Promis bis zu den Superreichen, auf Partys steht neben der obligatorischen Champagner Flasche neuerdings auch immer eine Vodka Flasche.

Das Image das sich Vodka Marken aufgebaut haben ist unübertroffen. Kein schottischer Single Malt kann mit Werbung von Andy Warhol mithalten und ich habe ebenfalls noch nie eine Werbung gesehen in der Leute feiern und dabei eine Flasche Absinth in der Hand halten.

Ich möchte einfach Leute motivieren ihren Horizont zu erweitern. Und mag es auch nur 1 sein, der bei seinem nächsten Barbesuch statt einem Vodka-RedBull einen Whiskey Sour bestellt, damit wäre allen schon sehr geholfen.

Schließlich isst man ja auch nicht den ganzen Tag Hühnchen mit Reis, nur weil es schmeckt und seinen Zweck erfüllt satt zu machen.

Und für alle, die dies bereits wussten, sei gesagt, der nächste Beitrag wird keine Moralpredigt, sondern ein Beitrag, der dem Blogtitel gerecht wird, nämlich mit gutem Geschmack.

So on,
Bon-Vivant's Companion

Freitag, 13. Februar 2009

Jerry Thomas und der Begleiter des guten Geschmacks


Nun ist es also soweit. Nach langem hin und her, mit mir selbst, ob ich einen Blog veröffentlichen sollte habe ich mich dazu entschlossen den Schritt zu wagen und ab sofort mein Wissen und meine Erfahrungen mit anderen zu teilen.

Dem Zielpublikum dieses Blogs wird der Name "Bon-Vivant's Companion" wahrscheinlich (oder hoffentlich) bekannt sein aus dem Buch "How to Mix Drinks or the Bon-Vivant's Companion: The Bartender's Guide" von Jerry Thomas. Auch wenn ich mich nicht mit Jerry Thomas vergleichen möchte so hoffe ich trotzdem mit meinem Blog eine Vielzahl an Gleichgesinnten zu erreichen, womit mir auch beim eigentlichen Thema dieses ersten Posts wären, dem Inhalt meines Blogs.

Im Vordergrund steht für mich der Genuss, weshalb ich nicht zu letzt auch den Namen "Bon-Vivant's Companion" gewählt habe, der auf Deutsch übersetzt soviel bedeutet wie "Begleiter des guten Geschmacks". Jerry Thomas selbst war ein Pionier der Cocktailszene. Nicht umsonst trägt er den Namem "Father of American Mixology". Das Buch "The Bar-Tender's Guide" war das erste Buch seiner Art und ist auch noch heute nach mehr als einem Jahrhundert ein Standardwerk für viele Barkeeper, die sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Und auch wenn Jerry Thomas die Pionierarbeit bereits geleistet hat hoffe ich doch, auch meinen Teil zur Weiterentwicklung der Cocktailszene beitragen zu können. In diesem Sinne

Cheers,
Bon-Vivant's Companion